«Ist es wie eine Gabe?», will die Polizeichefin wissen. ­«Keine Gabe», sagt Morgan (Kaitlin Olson), eine Putzfrau mit einem IQ von über 160. «Mich beschäftigt jedes Pro­blem, das ich sehe. Mein Verstand gerät ständig ausser Kontrolle.» Darum ist die allein­erziehende Mutter in den knalligen Klamotten auch nur knapp gesellschaftsfähig.

Als Morgan im Los Angeles Police Department (LAPD) versehentlich einen Aktenbehälter umstösst, ist ihr nach wenigen Blicken klar, dass in einem Mordfall die falsche Person verdächtigt wird. So ändert sie an der Wandtafelskizze das Wort «Täterin» ­kurzerhand zu «Opfer».

Die von Drew Goddard («Bad Times at the El Royale») kreierte Serie «High Poten­tial» auf Disney+ scheint vordergründig ein Gemischtwarenladen aus Klischees zu sein. Intelligente, unfähige Mutter, widerborstige Polizisten, viele Twists bei den Ermittlungen.

Doch die unschlagbare Stärke ist, dass die Serie vieles wie nebenbei erzählt, überraschende Erkenntnisse ironisch visualisiert und den trockenen Humor der Figuren mit maximalen Emotionen mixt. Am besten zu sehen in jener ­Szene, als Morgan den ihr ­zugeteilten Detektiv Karadec (Daniel Sunjata) mit einer ­Betäubungswaffe niederschiesst. Mit gutem Grund, versteht sich. 

High Potential
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