Beim SRF gibt es längst kein Glanz und Gloria mehr. Die gleichnamige Sendung wurde schon vor Jahren umbenannt in «Gesichter und Geschichten». Dies ist ein Zungenbrecher, kaum wiederholbar, ohne sich zu versprechen. Das Versprechen des öffentlichen Bildungsauftrags löst die Fernsehanstalt also ein. Zumindest im logopädischen Bereich. Unaussprechliches kann man sich allerdings nicht merken. Nur, was oft wiederholt werden kann, brennt sich ins Langzeitgedächtnis ein.
Beim beliebten Podcast «Zivadiliring» gelang dies: Er wurde von vielen angehört, oft wiederholte Male – obwohl sich wenige den Titel merken konnten. «Zivadiliring», die Herrinnen der Ringe, die Gebieterinnen des gehobenen Blabla. Das Unerhörte trat ein – drei Frauen, ein unausprechlicher Titel, es war die Quadratur des Plauderkreises. Der Podcast war ein Grund, die App zu starten, er war ein Aufsteller, doch wurde er eingestellt.
Dass die «Comedymänner» ebenfalls aufhören, ist ein galanter Zug. Wie zuvorkommend! Sie kommen dem SRF-Gleichstellungsbüro zuvor, das gleich viele männliche wie weibliche Mitarbeitende loswerden muss.
Frauenförderung is on. Scharfe Zungen sagen: Nur Unternehmen, die man an die Wand fahren will, holen sich Frauen in die Führungsetage. Nicht, dass Nathalie Wappler und Susanne Wille schlechte Leaderinnen wären. Doch gemeinhin wird die Palliativpflege von sterbenden Patienten in kompetente Frauenhände gegeben – die SRG scheint dem Untergang geweiht. Wo eine Wille ist, ist ein Weg-Spar-Programm.
Glaubt man konservativen Kräften, können Frauen naturgemäss nicht nur Wäsche, sondern auch Redaktionen zusammenlegen. Zusammengelegt werden zudem mehrere kulturpolitische Ziele: einerseits, «Frauen und anderen Randgruppen» eine Plattform zu bieten, andererseits, Volksnähe zu zeigen. «SRF bi de Lüt», nur nicht live am Samstagabend.
Die scheidende Bundesrätin, die Frau Amherd, trifft man nicht mehr in der «Arena», die Frau am Herd sieht man künftig in der «Landfrauenküche». Eine weitere Herdplattform bietet «Mini Chuchi – dini Chuchi». Das klingt nach einem Mini-Format, wenn nicht gar nach einem empowernden Lesben-Softporno.
Klar sind Kochsendungen hoch im Kurs unter einem Medienminister namens Rösti. «Pasta del Amore» ist zu exotisch für eidgenössische Eingeweide. Eingeweihte wissen, dass sie samt den «Hype-Genossen» aus dem komödiantischen Haushaltsbudget verschwindet. Kultur- und Humorschaffende haben nichts mehr zu lachen, die «Swiss Comedy Awards» werden ab nächstem Jahr in der «Arena» vergeben. Kandidatinnen und Kandidaten gibt es genügend. Ein Lücken-Büsser findet sich immer.
In den News wird zunehmend auf Live-Moderation verzichtet. Eine abgespeckte Live-Mode-Ration bekommt nur noch, wer mit offenen Augen auf der Bahnhofstrasse flaniert. Oder wer sich durch Kataloge für gepflegte Männermode ab 65 voyeurisiert. Sandro Brotz würde ein perfektes Model abgeben, edel und weiss im Melkerhemd, doch die «Arena» bleibt. Sie regt zum Mitdenken an und steht unter Denk-Mal-Schutz.
Rechtsliberale Kräfte nutzen gern die Reichweite des Senders für ihre Botschaft. Diese lautet, dass genau jener Sender zu teuer sei, zu links, zu langweilig, zu unliberal. Die jahrelange Kampagne gegen die SRG hat garantiert ein Vielfaches der Serafe-Gebühren gekostet.
Dabei gilt es, auch Nischen-Kultur zu finanzieren. Besonders Liberale wissen genau, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Es ist ein Bruch mit allem, was einen öffentlich-rechtlichen Sender ausmacht. Es wird gekürzt und gestrichen, was das Zeug hält. Stellen, Sendeformate, Redaktionen. So bleibt unter dem Strich nur der kleinste gemeinsame Nenner. Und auf dem Strich bleiben die Liberalen. Doch die sind unbefangen. Die sind Freier.
Und sie haben ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. In ihrer Politik wird Gesendetes oft aus dem Kontext gerissen. Das SRF würde dies nie tun. Nein. Das SRF hält der Politik den Spiegel vor und streicht umgekehrt den «Kontext» aus dem Sender. Der gleichnamige Hintergrundpodcast kommt gemeinsam mit dem «Wissenschaftsmagazin» unter den Sparhammer.
Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sind die VAR des Lebens: Audio- und Video-Assistant-Referees für Kultur, Sport, Politik. Sie sind Assistenten des Schiedsgerichtes und helfen, Urteile zu finden. Doch «Das VAR’s»für den spöttischen Sport-Podcast, the good «Mood» is over.
Seit Corona sitzt man gerne daheim, remote Kultur mit der Remote Control. Verständlich, dass in post-pandemischen Zeiten nichts mehr auf «Virus» übertragen wird. «We, Myself & Why» fragen sich die jungen Couch-Potatoes nur noch bei Streamingportalen. Trotz der Stubenhocker-Kultur werden Regionaljournale gekürzt, denn Menschen wollen lieber fern sehen als nah hören. Ausser jene, die noch einen UKW-Empfänger haben. Die schauen in die Röhre.
Es bleiben endlose Wiederholungen alter Kamellen. Günstig und erfreulich. Denn wer sonst hat beim SRF schon je eine zweite Chance bekommen?
Das Streichkonzert nennt sich SRF 4.0, in etwa die Note, welche wir der SRG geben. Knapp genügend. Das passt. Wenn man in einer Demokratie nur einen Drittel des Programms abfeiert, dann hat der Sender alles richtig gemacht. Doch die mit Milliarden bewaffneten Musk-E-Tiere der Gesellschaft verstehen sich darauf, etwas schlechtzureden, weniger Mittel einzuschiessen, bis es wirklich schlecht genug ist, um beerdigt zu werden.
Eine Nation ohne gebührend finanzierte Sender? Unerhört! Eine Demokratie ohne vierte Gewalt? Undenkbar! Eine Schweiz ohne SRF? Unaussprechlich! Unaussprechliches kann man sich allerdings nicht merken. Nur, was oft wiederholt werden kann, brennt sich ins Langzeitgedächtnis ein.
Zum Glück machten wir uns nicht die Mühe, den Titel «Gesichter und Geschichten» auswendig zu lernen. Denn die Gesichter sind ohnehin bald Geschichte. Ein leise verklingendes Echo der Zeit.«Das VAR’s».
«Scharfe Zungen» – Patti Basler und Corinne Sutter
Patti Basler (48) ist Autorin, Kabarettisitin und selbst ernannte «Hure des Kapitalismus». Corinne Sutter (39) bezeichnet sich als multidisziplinäre Künstlerin aller Art, Speedpainterin und Schnelldenkerin. Beide sind hinter Mikrofonen, auf Bühnen, vor Kameras und im Netz unterwegs, jede gezeichnet von der anderen. Gemeinsam sinnieren sie im Podcast «Scharfe Zungen» mit Chilischoten-scharfen Zungen über die Welt – ein veritabler Hotcast.